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Verein „Historisches Nottuln“ (www.historisches-nottuln.de)

Wenn man die nächste Generation mit ihrer Vergangenheit vertraut machen will, kann es gar nicht anschaulich genug geschehen.
Wie zog man sich an, was aß man, was tat man früher?
Zur Beantwortung dieser Fragen eignen sich wunderbar historische Spektakel. Jeder Mittelaltermarkt trägt zum Interesse an der Vergangenheit bei, auch wenn er sie natürlich verfremdet.
Mit dem historischen Fest in Nottuln, das am 26. Mai 2013 stattfand, hat der Verein „Historisches Nottuln, e.V.“, dessen Gründung ich im Februar 2012 angeregt hatte, als Veranstalter an eine ganz besondere Geschichte erinnert.
Nottuln ist ein kleiner Ort im Münsterland. Interessant ist er durch seine Altstadt, einem von Johann Konrad Schlaun geschaffenes barockes Ensemble. Interessant ist Nottuln aber auch durch seine Geschichte: Fast tausend Jahre wurde der Ort, der zum Bistum Münster gehörte, von Frauen regiert. Den Frauen des Stiftes Nottuln, das wohl zunächst Kloster, aber ab ca. 1500 dann Freies Damenstift wurde. Im Nottulner Stift lebten etwa 25 unverheiratete Stiftsdamen von den Einnahmen der rund 50 Höfe, die zum Stift gehörten. Die Frauen entstammten fast alle dem Beamtenadel des Bistums Münster und waren häufig verwandt mit den Münsteraner Domheren. Sie waren keine Nonnen, sondern führten, waren sie erwachsen, ein recht freies Leben mit monatelangen Abwesenheiten und der einzigen Aufgabe einer gelegentlichen Gestaltung des Gottesdienstes in Nottuln.
Damit war ein Leben als Stiftsdame eine der wenigen angenehmen Nischen, die unverheirateten Frauen in der Vergangenheit blieben. Die jungen Mädchen kamen mit 8-12 Jahren nach Nottuln und wurden dort zu Stiftsdamen erzogen, einige heirateten, manche blieben ein Leben lang. Sie organisierten sich eigenverantwortlich und unterstanden einer Äbtissin. Das Stift wurde 1810 von Napoleon aufgelöst.
Am Tag des historischen Festes hat Nottuln mit Kostümen, Ausstellungen, Lesungen, Tanz, Musik und einem Handwerkermarkt an die Zeit der Stiftsdamen und die Auflösung des Stiftes im 19. Jahrhundert erinnert.
Der Verein „Historisches Nottuln“ plant eine Wiederholung dieses Festtages, außerdem jedes Jahr einen historischen Winterball in der Alten Amtmannei in Nottuln.

Museum der Geschichte der Frauen in Nottuln
Nottuln ist ein sehr kleiner Ort in Westfalen, eher bäuerlich geprägt. Und doch ist er auf der großen Weltkarte verzeichnet, die die Medici im Pallazzio Vecchio in Florenz im 16. Jahrhundert haben anfertigen lassen. Was machte den Ort damals besonders? Es waren die Nottulner Frauen, denen das Interesse der Italiener galt.

Über tausend Jahre von etwa 800 bis 1800 ist Nottuln von Frauen regiert worden, zunächst von den Kloster- dann den Stiftsdamen. Es waren Frauen aus der örtlichen Führungsschicht, häufig die Schwestern der MÜnsteraner Stiftsherren und Priester. Das macht Nottuln als Ort für ein Museum besonders reizvoll, das sich den Fragen widmet, wie Frauen in verschiedenen Jahrhunderten gelebt haben, wie ihr Alltag aussah, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie hatten und worin sie ihren Lebenssinn fanden. Nottuln bietet sich als Ort für ein Museum deswegen besonders an, weil es hier über Jahrhunderte eine interessante Mischung in der Sozialstruktur gab:

Zum einen sehen wir über einen Zeitraum von 40 Generationen eine Ansammlung von etwa 25 adligen Frauen aus den einflussreichsten westfälischen Familien mit Kontakten in die ganze Welt, dann finden wir dort deren Personal: das waren wenigstens ebenso viele Mägde, Köchinnen, Kammerfrauen. Dazu kamen einige bäuerliche Familien, - sowie im Vergleich sehr früh die Lehrerinnen und die Frauen, die das Krankenheim leiteten - diskret entfernt vom Ort finden wir sogar das Säuglingsheim, das den armen, den „in Schande gefallenen“ Mädchen, die unverheiratet schwanger wurden, die Möglichkeit bot, insgeheim zu entbinden und sich im Lauf der Zeit eventuell wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Dokumente über das Leben von Frauen in vergangenen Zeiten sind rar, vieles wurde im Männlichkeit zentrierten 19. und 20. Jahrhundert als unwichtig beseitigt und weggeworfen. Aber natürlich gibt es sie - die Briefe, die alten Gegenstände, die überlieferten Geschichten, die uns Auskunft geben können. Wir wollen sie behutsam zusammentragen und aus den Exponaten und mit Hilfe der modernen elektronischen Möglichkeiten ein Museum schaffen, das eine Attraktion für Nottuln werden wird. Es gibt zwar inzwischen in Bonn, Berlin und Wiesbaden Frauenmuseen, aber sie haben sich hauptsächlich zur Aufgabe gemacht Werke von Küstlerinnen auszustellen oder sich wie in Wiesbaden spezialisiert auf die Ausstellung von Göttinnenfiguren. In Nottuln wollen wir die alltäglichen wechselhaften Lebensbedingungen in der tausendjährigen Geschichte des Nottulner Stiftes in den Mittelpunkt rücken. Das Museum ist in Planung.